„In den Augen meines Hundes liegt mein ganzes Glück, all mein Inneres, Krankes, Wundes heilt in seinem Blick.“

 

Friederike Kempner

Traumapädagogik

TraumaPÄDAGOGISCHE EINZELINTERVENTION MIT HUND

Ein Trauma-Ereignis ist eine maximal stressende Situation, die Kinder und Jugendliche in sich erschüttert. Durch Trigger im Alltag werden sie in diese maximal stressende Situation zurückgeworfen und erleben diese Ereignisse erneut. Die in dieser Situation als erfolgreich empfundene Überlebensstrategie - Kämpfen, Fliehen oder Schockstarre - wird erneut aktiviert und wird nun von Außenstehenden in der aktuellen Zeit z.B als plötzliches Ausrasten, extreme Verweigerung, Weglaufen/Flucht erlebt.

 

In der Traumapädagogik wird ein hohes Augenmerk auf die Entspannung und das Wohlbefinden sowie die Stabilisierung gelegt. Ich nutze durch den Einsatz meiner Hündin Mika die besondere Wirkung der Tier-Mensch-Beziehung. Der Effekt wird erhöht, wenn mit der Zeit eine feste Tier-Mensch-Beziehung aufgebaut wird. Mika begrüßt die Kinder immer mit überschwänglicher Freude und bietet von sich aus viel Körperkontakt an. Berührungen durch das weiche Fell, die weichen Pfoten, das Auffordern gestreichelt zu werden durch Anstupsen mit der kalten Hundenase, und das immer freudige Bemühen, Anweisungen und Kommandos anzunehmen und umzusetzen, bewirken bei den Kindern und Jugendlichen ein hohes Maß an Wohlbefinden. Dadurch eröffnet sich mir eine weitere Spannbreite an Methoden der Traumapädagogik. Durch die Assoziation des Tieres und der Interaktionserinnerung können diese erlernten Methoden auch ohne Anwesenheit des Hundes im Alltag und in den stressenden Situationen (z.B. Gruppenalltag, Schule) von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Das Gefühl des Wohlbefindens, das diese Kinder in der Interaktion mit dem Hund erlebt haben, überträgt sich in ihren realen Alltag.


Konzept

Mein tiergestütztes traumapädagogisches Konzept ist ein inklusives Angebot und soll die pädagogische und therapeutische Arbeit im Helfersystem der Jugendhilfe unterstützen und bereichern. Hier sind ein sehr intensiver Austausch sowie die Mitarbeit der betreuenden Systeme wichtig.

 

Für Kinder und Jugendliche sind Hunde Partner, die nicht urteilen, ihnen frei von Vorurteilen gegenübertreten und stets unmittelbar, ehrlich und vorhersagbar reagieren. Beinahe jeden Menschen fordern und fördern sie schon allein in ihrem „Hund-Sein“ in den Schlüsselkompetenzen einer Gesellschaft: Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft, Verbundenheit und Selbstbeherrschung, Geduld und Rücksichtnahme sowie Erkennen und Akzeptieren von Grenzen, die auf Bedürfnissen beruhen.

 

Die tiergestützte traumapädagogische Einzelintervention ist ein von mir entwickeltes Konzept, das gezielt für Kinder und Jugendliche, die in einem Jugendhilfesystem eingegliedert sind, entwickelt wurde. Ich suche den engen Austausch mit den Erziehern und Betreuern der Kinder und Jugendlichen. Zusammen werden individuelle Ziele festgelegt und es können auch speziell zugeschnittene Maßnahmen zurück in die Gruppe getragen werden. So kann dem Kind/Jugendlichen ein Weg bereitet werden, seine Stärken und Fähigkeiten neu zu entdecken und diese in seinen Alltag zu integrieren.

 

Die tiergestützte traumapädagogische Einzelintervention gibt den Kindern und Jugendlichen einen Raum der Entspannung, Entfaltung und Stärkung. Damit können diese den meist sehr anstrengenden Schul- und Gruppenalltag besser und mit mehr Handlungsmöglichkeiten bewältigen.

 

Ziele der tiergestützten traumapädagogischen Einzelintervention:

  • Positive, korrigierende, vertrauens- und bindungsfördernde Beziehungserfahrungen in einem sicheren Rahmen
  • Stärkung der Selbstwahrnehmung für Empfindungen und Gefühle
  • Hilfen zur Emotions- und Impulsregulation
  • Aktivierung der Bewältigungsstrategien, Selbstermächtigung
  • Ressourcenförderung und -stärkung
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Abgrenzungsfähigkeit
  • Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion


Zielgruppe

  • Kinder und Jugendliche die stressende/traumatisierende Erfahrungen gemacht haben und in Ihrer Entwicklung dadurch eingeschränkt werden, was sich z.B. in plötzlichem Schulleistungsabfall, Ängsten, Verweigerung und/oder Rückzug äußert
  • Kinder und Jugendliche, die nach §§ 32, 34, 35a SGB VIII eingeordnet sind
  • Eventuelle ICD10 Diagnosen:
    • Störungen des Sozialverhaltens (F91.-)
    • Tiefgreifende Entwicklungsstörungen (F84.-)
    • Emotionale Störungen (F92.-)
    • Hyperkinetische Störungen (F90.1)
    • Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F43.-)
    • Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
  • Kinder und Jugendliche, bei denen zu ihrer Stabilisierung- neben den in der Leistungsvereinbarung für die Wohngruppe beschriebenen Hilfen - zusätzliche individuelle traumapädagogische Angebote erforderlich sind
  • Kinder und Jugendliche, die eine hohe Affinität zu Tieren haben


Leistungen

  • Das traumapädagogische Angebot findet im Einzelsetting statt.

  • Die Stunden richten sich primär nach den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes/Jugendlichen und den im Hilfeplan bzw. Gespräch vereinbarten Zielen. Diese werden in Grob- und Feinziele aufgegliedert und nach jeder Einheit dokumentiert. Die

  • Fortschritte werden in Dokumentationsbögen festgehalten.

  • Die geleisteten Stunden werden dokumentiert und protokolliert.

  • Erstellung eines HPG Berichtes

  • Trauma Edukation des Helfersystems und intensiver kollegialer Austausch aller an der jeweiligen Hilfe beteiligten Personen

  • Beratung und Aufsuchen begleitender traumatherapeutischer Behandlung

  • Stabilisierung und Ressourcenaufbau



Mensch und Tier

Doodlepäd Traumapädagogik wird von einer Fachkraft mit einer pädagogischen Ausbildung sowie Weiterbildung im Fach Tiergestützte Arbeit (ATN Akademie für Tiernaturheilkunde) Schwerpunkt Hund und einer Weiterbildung zur Traumapädagogin nach Standard der DeGPT durchgeführt.

 

Traumapädagogen sind darin qualifiziert, pädagogische Hilfestellungen für Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung der Auswirkungen von Traumatisierung geben zu können. (DeGPT)

 

Der eingesetzte Hund wird speziell für den Einsatz mit Menschen sozialisiert und eigens zur traumapädagogischen Begleitung der oben genannten Fachkraft ausgebildet. Die Rasse Australian Labradoodle wurde darüber hinaus für den Einsatz als Begleithund gezüchtet. Neben einem ausgeglichenen und freundlichen Wesen sowie guter Führ- und Trainierbarkeit neigt die Rasse nicht zum „Haaren" und wird entsprechend häufig für Allergiker empfohlen.

 

Der Hund wird regelmäßig tierärztlich untersucht, geimpft und entwurmt. Prophylaxe- und ggf. Behandlungsmaßnahmen werden dokumentiert.

 

Der respektvolle Umgang mit dem Hund und die Sicherheit und das Wohlergehen von Mensch und Tier stehen im Vordergrund aller Projekte und Vorhaben und werden im Vorfeld des Einsatzes des Hundes mit den Kindern und Jugendlichen thematisiert und eingeübt. (Siehe auch Tierschutzkonzept)



Kostenübernahme

 Die individuelle Zusatzleistung der tiergestützten traumapädagogischen Intervention wird über das Jugendamt beantragt und übernommen.

 

Abgerechnet werden pro Einheit 2 Stunden, die sich wie folgt zusammensetzen:

 

1 Stunde am Kind, 0,5 Stunden Vor- und Nachbereitung und 0,5 Stunden Regenerationszeit für den Hund.

 

Da die Beziehung zwischen dem Kind/Jugendlichen und dem Pädagogen mit Hund die Grundlage der tiergestützten Pädagogik ist, muss aus fachlicher Sicht von einer Mindestdauer von 6 Monaten ausgegangen werden. Eine regelmäßige Abstimmung über die Fortführung des Moduls findet im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Hilfeplangespräche statt.

 

Um die Individuelle Zusatzleistung der tiergestützten traumapädagogischen Intervention beim Jugendamt zu beantragen um eine Finanzierung zu gewähren, empfiehlt es sich, eine ärztliche Verordnung vorzulegen z.B. vom Kinder und Jugendpsychologen oder Kinderarzt.